Die Kirche bleibt im Dorf
Firmen, in denen der Chef noch selbst die Fäden in der Hand hält, prägen nach wie vor die Unternehmenslandschaft in Deutschland. So werden fast zwei Millionen Firmen – das sind 93 Prozent aller Unternehmen mit Umsätzen von mindestens 50.000 Euro im Jahr – von Eigentümern oder ganzen Familienclans geleitet. Dabei handelt es sich nicht nur um Handwerksbetriebe, Immobilienmakler oder türkische Gemüsehändler. Etwa 1.200 Familienbetriebe sind Großunternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz. Die Dominanz der Familienfirmen beschränkt sich auch nicht auf Dienstleistungen oder das Handwerk; selbst in der Industrie halten die Eigentümer zu 84 Prozent den Daumen drauf. Die starke Stellung familiengeführter Unternehmen bleibt nicht ohne Einfluss auf Standortentscheidungen. Zwar ist der Mittelstand ähnlich wie managergeführte Konzerne der Globalisierung ausgesetzt. Wenn das Unternehmen aber abwägen muss, ob es trotz der hohen Lohnkosten das Stammwerk modernisiert oder stattdessen lieber ins günstigere Ausland geht, sticht zumeist die Heimatkarte – und die Kirche bleibt im Dorf.
(Quelle: Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Jg. 33, 7. Juni 2007)
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| | Anteil der industriellen Familienunternehmen an der Industrie |
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Für Deutschland existiert keine einheitliche, verbindliche Mittelstandsdefinition Die Bundesregierung bekennt sich zu einem flexiblen Mittelstandsbegriff und orientiert sich an der Definition des IfM Bonn. Seit 1.1.2005 ist die aktuelle Empfehlung der EU-Kommission in Kraft, sie ist bindend für europäische KMU-Förderprogramme.
KMU-Definition der EU-Kommission:
- Maximal 250 Beschäftigte, Auszubildende werden nicht gewertet, Teilzeitkräfte werden pro rata temporis gezählt.
- Maximaler Umsatz von 50 Millionen Euro im Jahr.
- Maximale Bilanzsumme von 43 Million Euro.
- Die Obergrenzen für Umsatz und Bilanz müssen nur alternativ eingehalten werden. Die Definition ist vor allem bei den europäischen Beihilferegelungen relevant. Zudem wird die Definition häufig bei internationalen Vergleichen herangezogen.
Institut für Mittelstandsforschung Bonn:
- Maximal 500 Beschäftigte, Auszubildende werden nicht gewertet, Teilzeitkräfte werden pro rata temporis gezählt.
- Maximaler Umsatz von 50 Millionen Euro im Jahr.
- Bilanzsumme wird nicht berücksichtigt.
Struktureller Mittelstandsbegriff
- Beim Verständnis des Mittelstands reicht die numerische Ableitung nicht aus. Typisiert wird der Mittelstand nicht durch eine Zahl, sondern durch den personengeprägten Zuschnitt der Unternehmen.
- Erweiterung des quantitativen Rasters durch strukturelle Merkmale.
- Zentrales Merkmal ist die Einheit von Unternehmensleitung und Eigentum.
- Das Unternehmen darf zudem nicht mehrheitlich im Eigentum eines Großunternehmens oder anderweitig extern dominiert sein.